Ausstellung

"Unsere Stadt im Wandel - Beobachtungen im linksrheinischen Düsseldorf"

Jedem ist bewusst, dass kein Stadtviertel, keine Stadt jemals „fertig“ ist, sondern einem ständigen Wandel ausgesetzt ist. Auch die vier linksrheinischen Stadtviertel Düsseldorfs verändern sich stetig, in letzter Zeit jedoch besonders spürbar und radikal. Fast jeden Tag werden neue Baustellen eingerichtet, neue Gebäude entstehen, andere werden abgerissen, obwohl sie noch intakt waren. Büros werden gebaut, obwohl viele leer stehen. Der Verkehr nimmt zu, und Stellplätze werden knapper. Exklusive Immobilien entstehen als Wohnkomplexe, die sich wie Fremdkörper nicht in das bestehende Viertel integrieren, weder architektonisch, noch von der Sozialstruktur her. Wir fragen uns: Für wen sind diese exquisiten Wohnungen? Wer kann sich die Kauf- und Mietpreise leisten? Werden sich die neuen Bürger im Stadtteil integrieren?

 

Bei uns, den Bürgerinnen und Bürgern der linksrheinischen Stadtteile, regt sich ein Unbehagen an den einschneidenden städtebaulichen Veränderungen, die immer augenfälliger werden. Und es wächst die Angst, dass nur noch Luxusimmobilien entstehen und die Bezieher mittlerer Einkommen im Zweifel aufs Land ziehen müssen. Die Bürger fühlen sich übergangen oder schlecht informiert, auch wenn formal die Vorschriften für eine Bürgerbeteiligung bei Planungsverfahren eingehalten wurden. Viele Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass die Menschen sich nicht mehr so leicht wie früher von prestigeträchtigen Großprojekten überzeugen lassen. Sie wollen einbezogen werden und mitentscheiden, wenn ihr unmittelbares Umfeld betroffen ist.

 

Wir haben im Rahmen der Ausstellungsentwicklung gleichgesinnte Bürger gefunden, Kontakt aufgenommen zu Bürger- und Heimatvereinen im Stadtbezirk, uns im Internet, durch Amtsblätter, in Bezirks- und Stadtverwaltungen, durch Zeitungsartikel etc. kundig gemacht. Herausgefunden haben wir, dass die Planungs- und Genehmigungsphasen von größeren Bauprojekten viele Jahre dauern und dass nicht für jedes Bauvorhaben ein Bebauungsplan erforderlich ist, so dass man höchstens über Zeitungsartikel oder über die Bauschilder erfährt, was gebaut werden soll. Erfahren haben wir auch, dass die Stadt selbst fast keine Baugrundstücke im Stadtbezirk 04 besitzt, sondern dass es internationale Investoren, sog. „Developer“, Architekten, Projektentwickler, Marketingspezialisten und Immobilienvermarkter sind, die von den attraktiven Stadtvierteln auf Düsseldorfs linker Rheinseite angezogen werden und natürlich von den Gewinnaussichten im Bereich von Luxusimmobilien. Grundstücke wie das Areal Belsenpark gehörten z. B. privaten Eignern,  die sie meistbietend an internationale Investoren verkauften, die sie wiederum in kleinere Stücke aufteilten und an „Developer“ weiter veräußerten. Dass mit diesem Zwischenhandel der Preis noch einmal wächst, versteht sich von selber.

 

Für uns war es wichtig, dass wir uns nicht kommentarlos mit dieser Situation und den daraus entstehenden Veränderungen abfinden. Wir wollen uns engagieren, damit der künftige Wandel unseres Wohnbereichs besser und zukunftsfähiger gelingen kann. Dazu brauchen wir leichter zugängliche Informationen und verbindliche kommunale Spielregeln für eine bessere informelle Bürgerbeteiligung.

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